Brunnenringe aus Beton für den Brunnenbau
Warum ein Brunnen in der Schweiz bewilligungspflichtig ist, wie Schächte aus Betonringen entstehen und woran sich wasserdichter Beton erkennen lässt.

Brunnenringe aus Beton dienen der Herstellung von Brunnenschächten. Es handelt sich dabei um Schachtfertigteile, die ausser im Brunnenbau auch beim Bau erdverlegter Abwasserkanäle und -leitungen zum Einsatz kommen. Solche Schächte ermöglichen den Zugang zur Kanalisation, dienen der Wartung und Reinigung sowie der Be- und Entlüftung der Rohrleitungen. Ausserdem werden sie genutzt, um Kanäle zusammenzuführen oder Richtung, Neigung und Querschnitt zu ändern. In der Regel soll der Abstand zwischen Revisionsschächten nicht mehr als 100 Meter betragen.
Vor dem ersten Spatenstich: die Bewilligungsfrage
Wer in der Schweiz einen Brunnen anlegen will, sollte mit der Behörde beginnen und nicht mit dem Baumarkt. Grundwasser ist hier keine Sache des Grundeigentümers: Der Kanton Solothurn formuliert es stellvertretend für die übrigen Kantone so, dass wer Grundwasser nutzen will, dafür eine wasserrechtliche Konzession oder Bewilligung des Kantons braucht. Das gilt nicht nur für Trink- und Brauchwasser, sondern auch für die Bewässerung von Kulturen, das Füllen von Weihern und die thermische Nutzung über eine Wärmepumpe.
Hinzu kommt der Gewässerschutz. In den Gewässerschutzbereichen Au und Ao sowie in Grundwasserschutzzonen gelten strengere Regeln; im Kanton Zürich etwa ist für Bauten unterhalb des höchsten Grundwasserspiegels im Bereich Au eine kantonale Bewilligung nötig. Ob für ein konkretes Vorhaben eine Meldung genügt oder eine Konzession erforderlich ist, hängt von Entnahmemenge, Zweck und Lage ab und ist von Kanton zu Kanton verschieden. Die Auskunft erteilt das kantonale Amt für Umwelt - ein Anruf vor Baubeginn erspart im ungünstigen Fall den Rückbau.
Schachtbauteile mit integrierter Dichtung
Bei Schachtbauteilen handelt es sich meist um einzelne, ringförmige und mit Muffe und Spitzende ausgestattete Elemente, die an den Fugen mit Dichtmitteln aus Elastomeren abgedichtet werden. War es früher üblich, die Lastübertragung mit einer Mörtelschicht zu gewährleisten, setzen sich heute Lastausgleichselemente mit oder ohne integrierte Dichtung durch.
Die Nennweiten der Schachtringe betragen in der Regel 1.000, 1.200 oder 1.500 Millimeter, die Mindestwanddicken 120, 135 oder 150 Millimeter. Die Regelbauhöhe liegt bei 1.000 Millimetern, daneben gibt es Ausgleichsstücke von 250, 500 oder 750 Millimetern Höhe.
Für den Übergang zwischen Schächten unterschiedlicher Nennweite kommen Übergangsstücke zum Einsatz. Schachtunterteile bestehen aus einer Sohlplatte mit Gerinne und einer angeformten, mit Muffe versehenen Schachtwand. Den oberen Abschluss bilden Schachtabdeckungen aus Rahmen mit Schmutzfänger und Deckel.
Woran sich wasserdichter Beton erkennen lässt
Ältere Unterlagen nennen für Schachtbauteile deutsche Normen wie die DIN 4034 und Festigkeitsangaben in der Form “B 45”. Beide Angaben führen in der Schweiz in die Irre: Massgebend ist hier die SN EN 206, ergänzt durch die Tragwerksnorm SIA 262 für den Betonbau. Die Druckfestigkeit wird seither in Klassen wie C35/45 angegeben, wobei die erste Zahl die Mindestdruckfestigkeit am Zylinder und die zweite jene am Würfel in Newton pro Quadratmillimeter bezeichnet. Wer eine Lieferantenangabe prüft, sollte also nach der C-Klasse und der passenden Expositionsklasse fragen, nicht nach einer B-Nummer.
Entscheidend für die Dichtheit ist weniger die Festigkeitsklasse allein als die Zusammensetzung: Kornaufbau, hoher Zementgehalt und intensive maschinelle Verdichtung ergeben einen Beton, in den Wasser praktisch nicht eindringt. Verwendet wird ein Betonzuschlag mit leicht zu verdichtender Kornzusammensetzung, Betonzusatzmittel müssen zugelassen sein. Für die Expositionsklasse zählt, welchen Angriffen das Bauteil ausgesetzt ist - im ständig feuchten Erdreich sind das andere als bei einem Schacht, der zeitweise trockenfällt.
Brunnenrohre aus Beton: schlagfest und dauerhaft
Brunnenrohre und andere Schachtbauteile aus Beton sind widerstandsfähig gegen chemische Angriffe, dauerhaft und dicht gegen inneren wie äusseren Wasserdruck. Sie weisen eine hohe Schlagfestigkeit auf, ihre Wasserdichtheit wird durch Qualitätsprüfungen nachgewiesen. Die hohe Abriebfestigkeit macht sie unempfindlich gegen Hochdruckreinigung.
Ist Rohrbeton über längere Zeit chemischen Angriffen ausgesetzt - im Brunnenbau und bei Entwässerungskanälen die Ausnahme -, reicht die Betontechnologie allein nicht mehr, um Korrosion zu verhindern. In Gewerbe- und Industriebetrieben, wo planmässig aggressive Flüssigkeiten abgeleitet werden, kommen Auskleidungen aus Keramik oder bestimmten Kunststoffen als Korrosionsschutz zum Einsatz.
Wo Schacht- und Kanalbauteile sonst noch stecken
Bauteile aus Beton und Stahlbeton finden sich heute in vielen Bereichen: in Abwasserkanälen und -leitungen, in Kühlwasserleitungen von Kraftwerken, in Wasserkraft- und Förderleitungen, in Drän-, Be- und Entlüftungsleitungen, in Fernheizleitungen und Schutzrohren sowie in Schächten aller Art. Wer Regenwasser sammeln statt Grundwasser fördern möchte, kommt ohne Konzession aus - wie das funktioniert, steht im Beitrag über die Regenwasserzisterne.