Leca - der natürliche Baustoff aus Ton
Blähton in der Schweiz: Wie Leca hergestellt wird, warum es in die Brandverhaltensgruppe RF1 fällt und was ein Liter im Baumarkt kostet.
Aktualisiert

Der Name Leca stammt von light expanded clay aggregate, der englischen Bezeichnung für Blähton. Bei der Herstellung wird Ton aufbereitet, gemahlen, unter Zugabe von Wasser zu Kügelchen granuliert und in einem Drehrohrofen bei rund 1.200 Grad Celsius gebrannt, wobei die Oberfläche versintert. Im Inneren entstehen dabei die Luftporen, denen der Baustoff sein geringes Gewicht verdankt. Die strukturstabilen Kügelchen kommen beim Bauen in vielen Bereichen zum Einsatz:
- als Zuschlagstoff für Beton zur Reduzierung des Gewichts
- im Mörtel, Putz oder Estrich zur Verbesserung der Dämmeigenschaften
- als Unterfüllung gegen Feuchtigkeit beim Hausbau
- als loser Dämmstoff beim Trittschall- und Wärmedämmschutz
- zur Befüllung von Kabelkästen gegen Frassschäden von Nagern
Blähton ist nicht mit Blähbeton zu verwechseln, bei dem es sich um Porenbeton oder Leichtbeton aus den Grundstoffen Sand, Kalk, Zement und Wasser handelt. Wie sich Porenbeton im Vergleich verhält, steht im Beitrag über Gasbetonsteine.
Leca steckt auch in Mauersteinen
Leca kommt auch als Leichtzuschlag für Mauersteine zum Einsatz. Dafür werden die Blähton-Kügelchen mit einer dünnen Zementschicht umhüllt und zu Steinen geformt. Die Luftzellen im Inneren der Körner sorgen für vergleichsweise gute Wärmedämmeigenschaften. Die Steine sind in unterschiedlichen Abmessungen und Festigkeiten erhältlich: Neben Lochsteinen und Hohlblocksteinen gibt es Vollziegel und Sonderformate wie Nut-und-Feder-Blöcke sowie Deckensteine.
In der Schweiz vertreibt die Liapor Schweiz Vertriebs GmbH mit Sitz in Unterägeri im Kanton Zug entsprechende Mauersteine und Leichtbetone aus Blähton. Verbaut werden sie nicht nur im Ein- und Mehrfamilienhausbau, sondern auch im Gewerbebau sowie bei Spitälern, Kindergärten, Schulen und Stallungen. Wie sich Blähton-Mauersteine gegenüber gebrannten Ziegeln schlagen, zeigt der Vergleich mit dem Hochlochziegel.
Brandverhalten: In der Schweiz gilt RF1, nicht A1
Blähton ist nicht brennbar. In deutschen Unterlagen steht dafür meist die Baustoffklasse A1 nach DIN 4102 - diese Bezeichnung führt in der Schweiz allerdings in die Irre. Massgebend sind hier die Brandschutzvorschriften der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen, die seit 2015 mit den Brandverhaltensgruppen RF1 bis RF4 arbeiten.
- RF1 - kein Brandbeitrag, etwa Glas, Beton oder Gips
- RF2 - geringer Brandbeitrag, etwa Eichenholz oder brandschutzbehandelte Stoffe
- RF3 - zulässiger Brandbeitrag, die meisten übrigen Holzarten
- RF4 - unzulässiger Brandbeitrag, etwa Holzspäne oder Karton
Die europäischen Klassen nach SN EN 13501-1 werden diesen Gruppen zugeordnet: A1 und A2-s1,d0 entsprechen RF1. Blähton fällt damit in die höchste Gruppe. Wo eine Bauteilanforderung RF1 verlangt, ist das für die Baubewilligung die Angabe, auf die es ankommt - nicht die deutsche Klassenbezeichnung aus dem Herstellerprospekt.
Darüber hinaus ist Blähton witterungs- und frostbeständig, ungezieferbeständig, atmungsaktiv, wärmespeichernd, unverrottbar und alterungsbeständig sowie leicht und stabil. Das lose Schüttgut lässt sich wiederverwenden, sofern sich Abnehmer finden.
Herkunft: In der Schweiz wird kein Blähton gewonnen
Für die Herstellung eignen sich nur bestimmte Tone aus den Ablagerungen der Jurameere, die gleichmässig verteilte feine organische Bestandteile enthalten. Solche Vorkommen werden im Tagebau abgebaut, unter anderem in Deutschland, Österreich und Tschechien. In der Schweiz gibt es keine eigene Blähtonproduktion; der Baustoff wird eingeführt und über Fachhandel und Baumärkte vertrieben. Für die Ökobilanz eines Bauvorhabens heisst das: Die Transportwege gehören mitgerechnet, gerade wenn Blähton in grösseren Mengen als Schüttung eingebaut wird.
Fertigelemente aus Leca für den Innenausbau
Blähton wird für Wandbausteine, Kamine und Deckensysteme eingesetzt und kommt ausserdem bei der Herstellung von Fertigelementen zum Einsatz. Solche Wandelemente bringen die Vorteile der Fertigteilbauweise wie eine kurze Bauzeit und zeichnen sich zusätzlich durch ein angenehmes Raumklima aus, da Blähton feuchtigkeitsregulierend wirkt. Ihr Schallschutz ist in etwa vergleichbar mit dem konventionell gemauerter Kalksandstein-Wände. Gegenüber Porenbetonwänden ist die Festigkeit höher, sodass sich Nägel einschlagen lassen, ohne dass sie sich wieder lockern. Verputzt werden müssen Leca-Wandelemente nicht; sie werden gespachtelt und können anschliessend tapeziert werden.
Blähton im Garten: Was er kostet und wofür er taugt
Dasselbe Ausgangsmaterial kommt auch im Gartenbau sowie im Erd- und Grundbau zum Einsatz: für Containerpflanzungen und Dachbegrünungen, zur Bodenverbesserung, bei Baumpflanzungen und Baumsanierungen. Im Winter dient Streugranulat aus Blähton als Alternative zu Salz, in der Geotechnik werden Auffüllungen aus Blähton für Erd- und Grundbau verwendet.
Im Schweizer Detailhandel kostet Blähton je nach Körnung und Gebinde etwa 46 Rappen bis 80 Rappen pro Liter. Ein 35-Liter-Sack mit Körnung 5 bis 25 Millimeter liegt bei rund 16 Franken, ein 50-Liter-Sack im Baumarkt bei etwa 20 Franken. Für Schüttungen am Bau, die in Kubikmetern statt in Säcken gerechnet werden, lohnt der Weg über den Baustoffhandel. Stand der Preise: September 2026.
Ein verbreiteter Irrtum betrifft die Hydrokultur. Der günstige Blähton aus dem Gartenbereich ist als Drainageschicht in Pflanzgefässen, Balkontrögen und Hochbeeten gedacht - für Hydrokulturen ist er ausdrücklich nicht geeignet, weil er mit der Zeit Salz abgibt und den Pflanzen damit schadet. Wer Pflanzen dauerhaft in Blähton setzen will, braucht gewaschene Hydrokultur-Ware.
Blähton im Regenwasser-Management
Das Material eröffnet im privaten und öffentlichen Bereich Möglichkeiten beim Umgang mit Regenwasser, da es als Flüssigkeitsschleuse wirkt. Bei starken Regengüssen fliesst das Wasser nicht ungehindert in die Kanalisation, sondern wird bei entsprechender Planung verzögert abgegeben oder versickert im Boden. Wie sich Regenwasser darüber hinaus nutzen lässt, steht im Beitrag über die Regenwasserzisterne. Bei Geoarbeiten kommt Blähton-Granulat zur Verringerung von Erddruck und zur Verteilung von Lasten zum Einsatz.
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