Zum Inhalt springen
HausbaumagazinPlanenFinanzierenBauenWohnen

Ratgeber für Bauherren in der Schweiz

Hausbau

Wärmerückgewinnung bietet viel Sparpotential

Was Minergie von einer Komfortlüftung verlangt, welche Luftmenge pro Person nötig ist und warum die Gebäudehülle über den Erfolg entscheidet.

Montage einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

Eine Lüftungsanlage versorgt die Räume nicht nur mit frischer Luft, sie holt zugleich die Wärme aus der Abluft zurück. Bei modernen Anlagen ist die Wärmerückgewinnung selbstverständlicher Bestandteil - und in der Schweiz für Neubauten mit hohem Energiestandard faktisch gesetzt.

Was Minergie verlangt

Der Minergie-Standard fordert eine kontrollierte Lufterneuerung für alle Gebäudekategorien, schreibt aber kein bestimmtes System vor. Wer das Modul Komfortlüftung einsetzt, erfüllt die Anforderungen ohne Einzelnachweis. Drei Werte sind dabei verbindlich:

  • Wärmerückgewinnung: mindestens 80 Prozent der in der Abluft enthaltenen Wärme müssen an die Zuluft übertragen werden
  • Stromverbrauch: höchstens 0,34 Watt je Kubikmeter und Stunde im Normalbetrieb
  • Schalldruckpegel: höchstens 25 dBA in den Räumen

Dazu kommen Anforderungen an Filterung, Bauart und Reinigungskonzept. Obligatorisch sind ausserdem eine Abnahmemessung, eine Systemdokumentation und eine Bedienungsanleitung für die Bewohnerschaft - Punkte, die bei der Übergabe gerne untergehen und später fehlen, wenn die Anlage gewartet werden soll.

Wie viel Luft ein Haushalt braucht

Für die Auslegung gilt in der Schweiz die Normenreihe SIA 382; die Fassung SIA 382/1:2025 hat jene von 2014 abgelöst, für Wohngebäude ist zusätzlich die SIA 382/5 massgebend. Als Richtwert werden mindestens 30 Kubikmeter pro Stunde und Person angesetzt, für eine ganze Wohnung rund 100 bis 115 Kubikmeter pro Stunde.

Die Luftmenge entscheidet über die Raumluftqualität, und diese lässt sich am CO2-Gehalt ablesen:

  • 36 m³/h je Person halten den CO2-Gehalt unter etwa 950 ppm - hohe Raumluftqualität
  • 29 m³/h je Person halten ihn unter etwa 1.200 ppm - mittlere Raumluftqualität

Wer die Anlage später zu niedrig einstellt, weil sie zu laut ist oder zu trocken wirkt, unterschreitet diese Werte schnell. Das ist der häufigste Grund, warum eine korrekt geplante Anlage im Betrieb enttäuscht.

Unterschiedliche Systeme zur Wärmerückgewinnung

Zur Auswahl stehen mehrere Bauarten:

  • Kreuzstrom- und Gegenstrom-Wärmeübertrager
  • Kreislaufverbund-Wärmeübertrager
  • Wärmerohr-Wärmeübertrager
  • Rotationswärmetauscher

Welche Bauart passt, hängt von der Anlagengrösse und den räumlichen Verhältnissen ab. Der Rotationswärmetauscher erreicht hohe Rückgewinnungsgrade und überträgt neben der Wärme auch Feuchtigkeit von einem Luftstrom auf den anderen, was im Winter gegen zu trockene Raumluft hilft. Im Sommer arbeitet er umgekehrt und kühlt die Zuluft vor.

Die Gebäudehülle entscheidet mit

Eine Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung arbeitet nur dann effizient, wenn die Gebäudehülle dicht ist. Strömt Luft durch Fugen nach, wird sie an der Anlage vorbeigeführt - ihre Wärme ist verloren, unabhängig davon, wie gut der Wärmeübertrager ist.

Geprüft wird das mit dem Blower-Door-Test: Ein Ventilator erzeugt in der Gebäudehülle eine Druckdifferenz von 50 Pascal, gemessen wird der Luftwechsel, der sich dabei einstellt. Der Wert gehört zur Bauabnahme und sollte vertraglich vereinbart sein, bevor gebaut wird - eine Nachbesserung an der Dichtungsebene ist nach dem Innenausbau kaum noch möglich.

Zur Gebäudehülle gehören auch die Fenster; welche Rolle sie für die Energiebilanz spielen, steht im Beitrag über Energiesparfenster.

Nachrüsten im Bestand

Auch bestehende Lüftungsanlagen lassen sich auf Wärmerückgewinnung prüfen. Sinnvoll ist der Umbau, wenn der Rückgewinnungsgrad die 80 Prozent erreicht, der Stromverbrauch niedrig bleibt, der Schallschutz stimmt und die Gebäudehülle ausreichend dicht ist. Fehlt die Dichtheit, bringt die beste Anlage wenig - dann steht die Sanierung der Hülle vor der Lüftungstechnik.

Der Komfortgewinn kommt zum Sparpotential hinzu: gleichmässige Luftqualität ohne Fensterlüften, gefilterte Aussenluft und ein Abtransport der Feuchtigkeit, die beim Duschen und Kochen entsteht - was Bauschäden durch Kondensat vorbeugt. Wie sich die Wärmeerzeugung selbst dazu verhält, behandelt der Beitrag über die richtige Heizungsanlage.